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Shownotes zu Feministische Proteste in Polen

von Agnes Prager, Kena Henrietta Stüwe und Liliia Lanevska

Während die polnische Gesellschaft progressiv und ihre Frauen souverän sind, versucht die rechts-konservative PiS-Regierung Themen wie Frauenrechte und Sexualunterricht für ihre Zwecke politisch zu instrumentalisieren. Dies verhandelt sie – gemeinsam mit der katolischen Kirche – vor allem am Körper der Frau: Eine Verschärfung des ohnehin strengen Abtreibungsrechts in Polen hatte vergangenes Jahr weltweit für Aufregung gesorgt. Dass es dabei aber um mehr geht, als um Abtreibung, wollen wir in diesem Podcast besprechen.

Welche Vorstellung eines besseren Morgens setzen feministische Proteste in Polen der nationalistischen, konservativen und patriarchalen Politik der PiS-Regierung entgegen? Welche Taktiken und Aktionsformen kommen zum Einsatz und inwieweit sind diese effektiv? Wie gehen die existierenden Initiativen mit dem Druck von ultra-konservativen Mächten um? Welche Rolle spielt Solidarität und Vernetzung sowohl auf lokalen als auch auf der globalen Ebene? Zusammen mit unseren Gästinnen Anna Krenz und Zofia Nierodzińska gehen wir dem Versuch nach, die Komplexität der gegenwärtigen Lage der feministischen Proteste in Polen zu schildern.

Anna Krenz ist bei der Dziewuchy Berlin Initiative aktiv – einem queer-feministischen Kollektiv in Berlin, das daran arbeitet, hier in Deutschland über die Situaion in Polen aufzuklären und Gruppen in Polen von Deutschland aus zu unterstützen. Sie ist darüber hinaus eine engagierte Künstlerin und berichtet von den einzelnen Aktionen, die die Sensibilität zur akuten Notwendigkeit der gesellschaftlichen Tranformation grenzüberschreitnd verstärkt haben.

Zofia Nierodzińska ist Kuratorin in der Arsenal Galerie in Posen, Polen, eine leidenschaftliche Aktivistin und Künstlerin und war bei Ciocia Basia aktiv – einer Gruppe, die Menschen aus Polen dabei hilft, in Deutschland oder in anderen Ländern Abtreibungen vornehmen zu lassen. Im Moment befindet sich Zofia, wie viele andere Aktivist*innen aus Polen, in einem Gerichtsprozess. Für die Durchführung einer Aktion während der Demonstration in ihrer Heimatstadt drohen Zofia zwei Jahre Haft. Was steht hinter dem Ausdruck „Verletzung religiöser Gefühle“ und inwieweit lässt sich dieser für politische Zwecke intrumentalisieren? Wie sieht die Realität der politischen Proteste in Polen aus und wie unterscheidet sich diese von der Lage der Protestierenden hier in Berlin?

Über die Realtität der feministischen Proteste in Polen hinaus verfolgen wir das transformative Potential der rebellischen Musik, die während der einzelnen Aktionen, Demonstationen sowie als Geste der Solidarität entstanden ist – zusammen mit Melania, SIKSA, MIN t und Adrian Rzytki. Inwieweit wohnt den einzelnen Liedern nicht nur Widerstand, sondern auch ein utopisches Moment inne? In einem kurzen Interview erzählt Martyna Kubicz (MIN t) zum Hintergrund ihres Songs „Głos“ (Stimme) und geht darüber hinaus auf die Symbolik der feministischen Proteste in Polen zu sprechen.

Es bleiben gewiss einige Fragen offen: welche neue Strategien lassen sich aktiv unmsetzen, ohne im Zustand der Reaktion verhaftet zu bleiben? Welche Organisationsformen und Mittel sind dafür nötig? Welche Gefahren bleiben dem kritischen Blick verborgen?

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Quellen:

Ramme, Jennifer (2019): Framing Solidarity. Feminist patriots opposing the far right in the contemporary Poland, in: De Gruyter (Hrsg.), Open Cultural Studies, 3, 469-484.

Dziewuchy BerlinAnna Krenz

Zofia Nierodzińska

22.10.2020, tagesschau „Gericht verschärft Abtreibungsverbot“

26.10.2020, tagesschau „Hier ist Polen, nicht der Vatikan“

26.10.2020, tagesschau „Die Hölle der Frauen“

29.10.2020. zdf „Neues Gesetz in Polen. Abtreibung als Kulturkampf“

11.02.2021, ZEIT Online „Justiz geht gegen Organisatorin von Protesten vor“

08.03.2021, zdf, volle Kanne „Frauenrechte in Polen Abtreibungsgesetz weiter verschärft“

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Musik:

Martyna Kubicz / MIN t „Głos“

SIKSA „Partysantka“

Melania „Wypierdalać“

Adrian Rzytki „Piekło kobiet“

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